Wer schreibt eigentlich die Spielregeln?
Hi, ich bin Sümeyye und mit Anfang 30 habe ich alle Spielregeln auf den Kopf gestellt.
Mit meinen fünf jüngeren Brüdern wuchs ich in einer praktizierenden muslimischen Familie auf. Die Erziehung unserer Eltern war geprägt von Werten wie Hoffnung, Optimismus, Liebe, Vertrauen und Respekt. Schon in jungen Jahren erlebte ich ihren unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz, lernte früh, was es heisst, Verantwortung zu tragen und bekam den Raum, den ich brauchte, um mich entfalten und die Rebellin in mir ausleben zu können. Die Spielregeln: sehr überschaubar.
Bis ich in die Pubertät kam.
Mit elf Jahren begann ich Kopftuch zu tragen und spürte zum ersten Mal, wie viele unterschiedliche Spielregeln aber wenig Spielraum es gab, diese Regeln sowohl zu hinterfragen als auch zu ändern. Das Leben wurde mit einem Mal zu einem Ort, wo es darum ging, den Regeln entsprechend die eigenen Rollen bestmöglich zu erfüllen.
Meine zwanziger
Mit 16 Jahren lernte ich meinen damaligen Ehemann kennen, heiratete ihn mit 18, beendete die Schule mit dem Abitur und wurde in meinen Zwanzigern drei Mal Mutter. Neben meinen Rollen als Mutter, Muslimin, Ehefrau, Eigenheimbesitzerin und vielen weiteren, waren das rückblickend auch die Jahre der eigenen Identitätssuche, bis ich mit Anfang 30 einige einschneidende Wendungen erlebte, die mein Leben von da an komplett auf den Kopf stellten.
"Verlasse die Geschichte, die dich zurückhält und betrete die neue Geschichte, die du bereit bist zu erschaffen."
– Oprah Winfrey
Nach vielen Jahren der inneren Kämpfe, trennte ich mich nach insgesamt 15 Jahren Ehe, legte das Kopftuch nach über 22 Jahren ab und begann zum ersten Mal mit 33 Jahren ein völlig neues Leben, von dem ich bis zu diesem Zeitpunkt keine einzige Spielregel kannte. Der größte Schmerz: Ich startete diesen Abschnitt meines Lebens unfreiwillig alleine ohne meine Kinder.
Viele ‘erste Male’
Ab diesem Zeitpunkt lernte ich, was es bedeutet, selbstbestimmt und eigeninitiativ Verantwortung für mich, meinen Glauben, meine Werte und alle Entscheidungen, die das Leben täglich fordern, zu übernehmen.
Dafür musste ich allerdings erstmal alle gesellschaftlich geprägten Definitionen von Mutterschaft, Erwerbstätigkeit, Beziehungen, Persönlichkeitsentwicklung, Rollenverständnisse, Religion, Vielfalt, Haltung und vielem mehr aus verschiedenen Blickwinkeln neu betrachten, um zu verstehen, dass diese Definitionen nur deshalb unveränderlich wirken, weil sich viele Menschen nicht trauen, den Raum außerhalb ihrer Komfortzone zu erkunden.
Wenn ich heute auf die letzten Jahre zurückblicke, gibt es vor allem eine Konstante, die sich wie ein roter Faden durch alle Stationen zieht: ein Leben im Einklang mit meinen Werten und die konsequente Ausrichtung aller Entscheidungen nach diesen Werten.
Heute ist jede Herausforderung, jede Konsequenz meiner Entscheidungen und jeder Blick über den Tellerrand hinaus ein gern gesehener Begleiter und die Welt ein Ort, die so aussieht und sich so anfühlt, wie ich sie gestalte: mit Optimismus, Freude, Gerechtigkeit und eben dem kritischen Blick auf die Spielregeln.
Let’s make the world a better place!
Regelmäßig fragen mich Menschen, was meine größte Motivation und mein größter Antrieb für das tägliche Weitermachen und meine Arbeit ist. Meine Antwort: Es ist die tiefe Überzeugung, dass Lernbereitschaft, Neugier, Offenheit, Dankbarkeit und Humor unsere Welt zu einem besseren Ort machen kann.
Denn ich glaube fest daran, dass wir Menschen - vorausgesetzt wir wollen es - lernen können, unseren Blick auf das zu richten, was uns miteinander verbindet, statt trennt. Und wenn wir mutig genug sind hinzuschauen, können wir unzählige Gemeinsamkeiten sehen, die meistens erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.
Meine Lieblingskund*innen: Menschen, die bereit sind, den unbequemen Phasen des inneren Wachstums mit Mut und Offenheit zu begegnen, mit dem Wissen, dass die wirklich wertvollen und nachhaltigen Veränderungen jenseits des eigenen Tellerrands auf einen warten.
Auch Dich lade ich ein, gewohnte Denkweisen zu hinterfragen und gemeinsam mit mir neue Wege zu erkunden, die nicht nur pragmatisch, sondern auch erfüllend sind - mit einem Koffer voller Empathie, Geduld und dem unerschütterlichen Glauben an das Potenzial jedes Einzelnen und der Gemeinschaft.
Denn nur gemeinsam können wir eine Welt gestalten, die über Toleranz hinausgeht und Vielfalt, Miteinander und Anderssein aktiv feiert.
Und genau dafür müssen einige Spielregeln neu geschrieben werden.