Blog - Kulturnuancen

Gönül ne kahve ister ne kahvehane; Gönül sohbet ister.

Dieser eine Moment nach einem Termin, wenn hinter die Agenda der Haken gesetzt werden kann, die Schultern locker werden, der Ton wärmer wird und das eigentliche Gespräch anfängt.


Im Türkischen trägt dieser Moment einen eigenen Namen: Sohbet.

Genau davon handelt ein altes Sprichwort: "Gönül ne kahve ister, ne kahvehane; gönül sohbet ister." Wörtlich übersetzt heisst es "Das Herz will weder Kaffee noch das Kaffeehaus. Das Herz will Gespräch." und bedeutet, dass sich das Herz eigentlich nur nach dem Beisammensein selbst sehnt.

Mit Gönül ist das Herz als Ort der Zuneigung und der Sehnsucht gemeint. Wer also ins Kahvehane ging, kam wegen der #Begegnung und des #Austauschs. Der Kaffee öffnete die Tür aber das Sohbet war der eigentliche Grund.

Letztlich ist der Ort dieses Austauschs und der Begegnung austauschbar.
Sohbet kann in einem Meeting entstehen, wo alle wirklich ankommen, in einem Teamevent, das die Menschen im Raum erreicht, in diesem einen kurzen Moment im Flur oder im kurzen Gespräch nach einem Call.

In diversen Teams entscheidet übrigens genau dieses 'Dazwischen' darüber, ob sich Zusammenarbeit echt anfühlt und wachsen kann. Und wachsen tut es, sobald aus Anwesenheit Aufmerksamkeit wird.

Jetzt beginnt das lange Pfingstwochenende. Bis vor diesem Beitrag wusste ich nicht, dass Pfingsten u.a. auch für ein Wunder der Sprache steht, denn es heisst, dass die Jünger plötzlich in allen Sprachen der Menschen sprechen konnten. (Und dann soll mal jemand sagen, dass das Überwinden von Sprachbarrieren ein Neuzeitphänomen sei 😉)

Und das Wunder? Das lag im Gespräch selbst und genau dort liegt es bis heute, wann immer wir uns Zeit füreinander schenken. 🌱