Blog - Kulturnuancen

Kolay gelsin

Warum manche Gefühle erst entstehen, wenn wir das richtige Wort dafür finden.


Aufgewachsen bin ich in einer türkischen Familie, in der Deutsch immer unsere Hauptsprache war. Dann, in meiner Ehe, blieb Deutsch ebenfalls die erste Wahl. Mein Türkisch war damals so schlecht, dass ich mich sogar entschied, es nicht an meine Kinder weiterzugeben. Der Gedanke dahinter: Bevor sie die Sprache falsch oder lückenhaft lernen, sollen sie lieber im Deutschen fit sein.

Heute schaue ich kritisch(er) auf diese Entscheidung, doch letztlich war sie auch der Auslöser für eine Reise, die vor zwölf Jahren nach meiner Trennung begann.

Ab diesem Zeitpunkt fing ich Schritt für Schritt an, die türkische Sprache wiederzufinden. Und zwar durch türkische Musik und vor allem durch türkische Serien. 😁

Was mir vom ersten Moment an sofort auffiel, und bis heute auch nicht loslässt, war die Sprache, die Herzlichkeit und das Miteinander, das sich durch einzelne Worte, Gesten und Redewendungen ausdrückt, für die ich im Deutschen immer ein Pendant gesucht habe.

Leider fand ich nur sehr selten etwas Gleichwertiges, und was soll ich sagen?! Mich hat das jedesmal sehr zum Nachdenken gebracht.

Aber: Es hat mich auf diese Idee gebracht, denn dort, wo sich Worte nicht einfach übersetzen lassen, fehlt im Alltag manchmal auch das dazugehörige Gefühl. Dabei sind genau diese unübersetzbaren Nuancen so wertvoll, um echtes Verständnis zwischen den Kulturen überhaupt erst möglich zu machen.

Deshalb möchte ich mit dieser Reihe solche Worte und Redewendungen sichtbar machen.

• Für alle, die in zwei Sprachen leben.
• Für alle, die neugierig sind, was andere Sprachen über das Menschsein wissen.
• Und für alle, die glauben, dass echte Begegnung dort beginnt, wo wir aufhören, aneinander vorbeizureden.

Den Anfang macht eine Geste der reinen Aufmerksamkeit: Kolay gelsin.